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Immer Zoff im UNiMUT 202. Heute......vor 10 Jahren -- 9.2.2000: UNiMUT 180 erscheint. TermineDi, 9.2. 15:00, Alte Uni, Senatssaal: Sitzung des Senats (nichtöffentlich) [Mehr] 18:00, Zentrales Fachschaften-Büro, Albert-Überle-Straße 3-5: Vortreffen für die Sitzung des Fakultätsrats der Neuphilologischen Fakultät Do, 11.2. 18:30, Evangelische Studierendengemeinde, Plöck 66: Christlich-Muslimisches Friedensgebet mit anschließendem Teetrinken Fr, 12.2. 11:15, wird noch bekannt gegeben: Sondersitzung des Fakultätsrats der Neuphilologischen Fakultät (nichtöffentlich) 18:00, Alte Aula der Universität Heidelberg: Festakt Heidelberger Förderpreis für klassisch-philologische Theoriebildung [Mehr] Mo, 15.2. 18:00, Uniplatz: Montagsdemo 18:15, Zentrales Fachschaften-Büro, Albert-Überle-Straße 3-5: regionales Bildungsstreik-Bündnistreffen Rhein-Neckar [Mehr] Ausstellungen und Seminare 12.3.2010, 18 Uhr-14.3.2010, Karl-Kloß-Jugendbildungsstätte, Stuttgart-Feuerbach: "Studium ohne Stress". Seminar der ver.di-Jugend [Mehr] 16.06.10-29.6.2010, Uni Heidelberg: Briefwahlen zu den Unigremien für die Statusgruppe der Hochschullehrer/innen, Akademischen Mitarbeiter/innen und Mitarbeiter/innen in Administration und Technik [Mehr] Alle Termine... | Der neue UNiMUT geht in den Druck und ist hier als PDF zu haben Immer Zoff!? (18.01.2010)Ab Mittwoch, 20. Januar 2010 wird die neue Druckausgabe des UNiMUT überall in Heidelberg verteilt werden. Da es aber diesmal nur 3000 Exemplare geben wird, besteht wie immer die Möglichkeit, sich ein PDF der Nummer 202 herunterzuladen -- gratis, aber natürlich nicht umsonst! In der aktuellen Ausgabe geht es, neben vielem anderen, um die großen und kleinen Streitigkeiten zwischen:
Neues vom Rektor, von Bologna, von der Bildung - und vom Januar Wusstet Ihr schon... (20.12.2009)...dass die UNESCO seit Oktober eine neu gewählte Vorsitzende aus Bulgarien hat, wenn auch mit Nomenklaturavergangenheit? ...dass es sich durchaus lohnt, die Sendung Campus und Karriere im DLF zu hören - das meiste lässt sich auch nachhören und -lesen. ...dass auch das Blog des FSK-Bürodienstes manchmal ganz interessant sein kann? Entscheidet selber... ...dass der BdWi auf studis online eine Sammlung einführender Texte in die Thematiken des Bildungsstreiks online gestellt hat? Ihr findet dort bisher Texte mit einer kommentierten Literaturliste zu den Themen "Elite", "Humankapital", "Schulstruktur", "Umbau des Hochschulsystems", "Streik" und "Hochschulreform". ...dass das HIS seine regelmäßig erscheinende Publikation zum Übergang Schule-Hochschule online gestellt hat? Interessant ist (vgl. S. 15ff.), dass 69% derjenigen, die ein Studium trotz Hochschulzugangsberechtigung nicht aufnehmen, angeben, dass die Studiengebühren ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen. ...dass "Bei den weiblichen Studienberechtigten [...] verschiedene Gründe deutlich häufiger (sehr) stark für den Verzicht auf die Aufnahme eines Hochschulstudiums [sprechen] als bei den ohnehin studierfreudigeren Männern (siehe hierzu Tab. 3.4). Besonders groß sind die Unterschiede hinsichtlich der finanziellen Möglichkeit, die Studiengebühren zu finanzieren. Drei Viertel der Frauen ohne Studienabsicht aber vergleichweise geringe 57 % der Männer bekunden, dass Studiengebühren für sie persönlich gegen die Aufnahme eines Studiums sprechen. Zudem stellen für weibliche Studienberechtigte finanzielle Restriktionen, wie etwa das Fehlen der nötigen finanziellen Voraussetzungen für ein Studium (79 % vs. 72 % der Männer ohne Studienabsicht) sowie Schulden aus Studienkrediten oder dem Bafög-Darlehensanteil (77 % vs. 66 %) häufiger einen triftigen Studienverzichtsgrund dar."(S. 18 der o.g. HIS-Studie) ...dass Bologna krank macht? zumindest machen "bolognareformierte" Studiengänge wohl kränker als die bisherigen Studiengänge. Auch lassen erste Daten erkennen, dass auch in den bolognareformierten Studiengängen der Anteil von Frauen sich von Stufe zu Stufe, d.h. konkret beim Übergang vom BA zum MA, reduziert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Max-Traeger-Stiftung; In der Studie wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Bologna-Ziele "Soziale Dimension", "Berufsqualifizierung", "Lebenslanges Lernen" und "Mobilität" verwirklicht sind. Andreas Keller von der GEW dazu. ...dass es jetzt einen "Bologna-Button" beim Wissenschaftsministerium Ba-Wü gibt, da darf jedeR mal meckern und Verbesserungsvorschläge machen. Die "Beiträge" über diesen Knopf sollen dann auf einem Bologna-Kongress am 8.März aufgegriffen werden. Angesichts der oben erwähnten Studien kann hoffen, dass das Datum bewusst gewählt wurde... ...dass Rektor Eitel Alter Herr der KDStV Normannia zu Karlsruhe ist? In dieser Rolle fühlt er sich auch offenbar durchaus wohl, wie ein Zitat von der 100 Jahresfeier der Thuringia Heidelberg belegt: "Ehrengast des Kommerses war Prof. Dr. Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg. Eitel überbrachte die Grußworte der Universität und erläuterte den Anwesenden die Exzellenzinitiative der Ruperto-Carola. [...] Außerdem wünsche sich Eitel, selbst Alter Herr bei KDStV Normannia Karlsruhe, wieder ein innigeres Miteinander der Heidelberger Korporationen mit der Universität." ...dass Eitel nicht nur korporiert ist, sondern auch gelernter Panzerfahrer? Info samt Bild gibt es bei der RNZ. Da wundert man sich nicht mehr, dass die Kommunikation mit anderen Teilen der Studierendenschaft nicht immer so gut klappt. ...dass ihr euch beim Antifa-AK über Verbindungen, aber auch über Bildung und die neoliberale Universität informieren könnt? ...dass der Rektor am 13. Jänner des folgenden Jahres einen Dies Academicus durchführt? und dass da alle Lehrveranstaltungen ausfallen? Walter I. Schönlein Die aktuelle Druckausgabe als pdf UNiMUT Nr. 201 (Dezember 2009)Nachdem nun alle 4000 Druckexemplare des neuen UNiMUT verteilt sind, hier die Möglichkeit für alle Leerausgegangenen und Liebhaber, sich eine digitale Version der Nummer 201 herunterzuladen. Als kleiner Appetithappen unser Editorial:
Aus dem Inhalt:
... und so manches mehr, das so auf 24 Seiten passt... Parteipolitik mal anders Bunte Koalition lässt mundtoten "AStA" tagen (24.11.2009)Im November konstituierte sich wie in jedem Jahr der sogenannte "AStA", über den wir hier schon häufiger berichtet haben. Kurz gefasst handelt es sich um ein mundtotes Gremium, welches in Baden-Württemberg 1977 unter Ministerpräsident Filbinger eingeführt wurde, um über das Verbot der Verfassten Studierendenschaften VS hinwegzutäuschen. In ganz Baden-Württemberg wird dieser Ausschuss an den Hochschulen in der Regel durch ein u-Modell, ein unabhängiges Modell, ersetzt. In Heidelberg ist dieses u-Modell die Fachschaftskonferenz (FSK). Sie setzt sich im Gegensatz zum "AStA" ohne gesetzliche Restriktionen und allgemein für die Studierenden ein - der "AStA" dürfte sich beispielsweise nicht zur Hochschupolitik oder zum Semesterticket äußern. Um dem Gesetz Genüge zu tun, konstituierte sich der "AStA" einmalig, wählte eineN VorsitzendeN, beschloss einen Haushalt zur Vergabe der knappen Mittel zur "Förderung studentischer Belange durch den AStA" und trat danach nicht mehr zusammen, da er ja ohnehin nicht über die Interessen der Studierenden zu sprechen hat. So war es zumindest bisher. Basierend auf den Ergebnissen der letzten Senatswahl hat es sich in diesem Jahr (wie auch schon zweimal in früheren Jahren) ergeben, dass die Liste der FSK keine absolute Mehrheit bei den Senatswahlen erreicht hat. Im Gegensatz zu den früheren Fällen haben sich in diesem Jahr allerdings die parteipolitischen Hochschulgruppen Jusos, GHG, LHG und RCDS zusammengeschlossen, um gemeinsam die bisherige Praxis, den "AStA" als mundtotes Gremium nicht tagen zu lassen, zu beenden. Dies kam sehr überraschend, waren zumindest Jusos und Grüne bisher gegen den "AStA" badenwürttembergischer Ausprägung und wollten ihn nicht als Studierendenvertretung legitimieren. Die Grünen waren in ihrer wilden Zeit vor 20 Jahren sogar "Gründungsmitglieder" der FSK. Ein kleines Überbleibsel dieser inzwischen wohl abgelegten Vorstellungen ist allerdings noch zu erkennen. Formal wollten die Juso/GHG/LHG/RCDS-Koalition gar nicht der "AStA", sondern einen "VFA" - einen "Vorübergehenden Finanzausschuss" einsetzen. Betrachtet man jedoch die von ihnen geplante Zusammensetzung des "VFA", wird schnell zur Gewissheit, was man bereits vermuten kann: Es sollte eigentlich der "AStA" tagen, nur unter anderem Namen - und anderem Vorsitz: bei Finanzfragen hat nicht die GHG den Vorsitz, sondern der RCDS. Ob die Wählerinnen und Wähler der Jusos und der GHG dies mit ihrer Stimme unterstützen wollten? Getreu diesen Umbennungsspielchen der bunten Koalition wurden anfangs auch die FSK-Vertreter_innen im "AStA" Mitglied des VFA. Zumindest wurden sie auf dessen Homepage aufgeführt. Dass die FSK-Vertreter_innen weder gefragt noch darüber informiert wurden, zeigt, auf welche Art und Weise hier gearbeitet werden soll. Dass man nicht einmal die Namen aller vorgeblichen Mitglieder richtig schreibt, zeigt, wie bereits gearbeitet wird. Unabhängig davon hatten alle FSK-Vertreter_innen bereits im Vorfeld der konstituierenden "AStA"-Sitzung unmissverständlich klar gemacht, dass sie für eine inhaltliche Arbeit im "AStA" aus den bekannten Gründen nicht zur Verfügung stehen, sondern weiterhin im unabhängigen Studierendenvertretungsmodell arbeiten wollen. Die FSK wird sich daher auch nicht an den als "VFA" getarnten "AStA"-Aktivitäten beteiligen. Da die einzige Aktivität der Runde besteht, Geld zu verteilen wäre eigentlich die Bezeichnung ZASTA weitaus passender gewesen. Update (25.11.2009): Die (angeblichen) FSK-Vertreter_innen im "VFA" haben gegenüber den Webseiten-verantwortlichen ihre Irritation darüber geäußert, dass sie in diesem Ausschuss Mitglied sein sollen, obwohl sie dem nie zugestimmt haben. Zwar gab es keine Antwort auf die Bitte um Erklärung, es wurde aber mit einer Webseitenänderung reagiert. Die aktuelle Version der Seite zeigt im Vergleich zur oben verlinkten Version keine FSK-Mitglieder mehr. Ob diese Änderung lediglich die Korrektur eines Kommunikationsfehlers zwischen den GHG/RCDS-Vorsitzenden des "VFA"/"AStA" und der Webadministratoren war, oder ob die Zusammensetzung des "VFA" tatsächlich durch einen Eilentscheid des RCDS/GHG-Vorsitzes geändert wurde ist unklar.
Update (26.11.2009): Aus Sicht der Juso-Hochschulgruppe ist der "VFA" nach den Mehrheitsverhältnissen des "AStAs" besetzt. Dies legt den Schluss nahe, dass die zuerst verlinkte Zusammensetzung doch die ursprünglich gewollte war und inzwischen durch Beschluss des GHG/RCDS-Vorsitzes abgeändert wurde. Offenbar wurde diese Änderung den Mitgliedern aber noch nicht mitgeteilt.
Bevor Missverständnisse entstehen: der "AStA" wird aus den vier Studierenden gebildet, die bei den Senatswahlen in den Senat gewählt werden sowie sieben weiteren, die Mitglied im Senat wären, wenn es dort mehr Plätze für Studierende gäbe. Die FSK kandidiert für den Senat, da sie dort die in den Fachschaften, Arbeitskreisen und Referaten erarbeiteten Positionen einbringen und vertreten will. Eine Mitgliedschaft im Senat bedeutet eine Zwangsmitgliedschaft im "AStA". Ein Rücktritt im "AStA" bedeutet einen Rücktritt im Senat - wer also studentische Interessen im Senat vertreten will, muss zwangsweise "AStA"-Mitglied sein. Die FSK stellt Mitglieder in diesem Scheingremium also nur, weil es der einzige Weg ist, im Senat mitzuwirken. Zudem tritt die FSK für die Mitbestimmung aller Gruppen an der Hochschule ein, z.B. durch Mitarbeit in der AG Studentische Mitbestimmung (AGSM). Wie die Arbeit im "VFA"/"AStA" ablaufen wird, ist bereits durch die erste "AStA"-Sitzung vorgezeichnet. Dort wurde zunächst ohne größeres Nachdenken der (übrigens von der FSK erstellte) Haushalt des Vorjahres vorgelegt (inklusive einiger längst obsoleter Bemerkungen zu Buchungsfehlern des Jahres 2007 sowie eines korrekt übertragenen Rechtschreibfehlers). Nachdem die FSK-Vertreter_innen anmerkten, dass dieser Haushalt nicht aktualisert sei, entwickelte die Koalition erst in der Sitzung einen neuen Haushalt, den wir hier nicht kommentieren möchten, von dem man sich aber hier selbst ein Bild machen kann. Ein Ergänzungsantrag der FSK-Mitglieder, z.B. für den Bildungsstreik, den Unimut oder den Antifa-AK explizit Gelder einzuplanen, fand keine Zustimmung der Koalition - Begründung gab es dafür keine. Wir können erwarten, dass diese Arbeitsweise nun im als "VFA" bezeichneten "AStA" fortgesetzt werden soll. Was das für einzelne Gruppen bedeutet, die bislang unterstützt wurden, ist unklar. Update (19.12.2009): Die Zusammensetzung des vfa hat sich inzwischen zahlenmäßig wohl eingependelt: nachdem man der FSK zwischenzeitlich 6 Plätze zugewiesen hatte, hat sich die Zusammensetzung inzwischen über längere Zeit hinweg konstant bei der Zahl der Plätze im "AStA" eingependelt. Veränderungen gab es bei der personellen Zusammensetzung: es gab eine Rücktrittswelle bei den Jusos: Mia Koch und zwei weitere nachrückende Jusos, Gerri Kannenberg und Carola Rühling, traten im Senat zurück, so dass nun Christian Soeder für die Jusos im Senat sitzt. Da im vfa unabhängig von den Uniwahlen irgendjemand sitzen kann, haben die Jusos Tobias Vorlaufer hierfür gewählt. Beim RCDS gab es auch einen Rücktritt: Julia Dingemann ist nicht mehr stellvertretende RCDS-Vorsitzende. Sie wurde auch vom RCDS nicht als stimmberechtigtes Mitglied in den vfa gewählt - dieses Amt hat jetzt Peter Braun inne. Allerdings bleibt Julia Vorsitzende des vfa und Ansprechperson im vfa für den RCDS. Der vfa hat inzwischen auch eine Geschäftsordnung. Aktualisierung (02.02.2010): Julia ist nicht mehr Mitglied des RCDS. Sie bleibt aber im vfa, denn mit den Leuten vom vfa versteht sich sich prima - nur mit den Jungs vom RCDS läuft es halt nicht mehr so gut ... Etwas unklar ist, was das bedeutet: Der RCDS glaubt, er sei jetzt weiterhin Mitglied im vfa - obwohl keine im "AStA" vertretene Gruppe mehr. Die Jusos, LHG und Julia gehen davon aus, dass Julia jetzt eine neue Gruppe suchen muss und ihre Stimme in diese mitnimmt - obwohl die im vfa ja schon von Peter geführt wurde. Die GHG mag zwar Julia auch und will sie weiterhin als vfa-Vorsitzende halten, will aber auch Peter und damit dem RCDS eine Stimme im vfa geben - obwohl sie sein Verhalten gegenüber Julia unmenschlich findet. Der RCDS fordert jetzt bis nächste Woche einen Beschluss des vfa. Wir sind gespannt, wer da mitstimmen darf. Vorsitzende des vfa bleibt Julia aber auf jeden Fall. Nach Satzung prinzipiell auf ewig, denn der/die Vorsitzende wird in der ersten Sitzung des vfa gewählt und nur bei Rücktritt wird Neuwahl erforderlich. Umstellung der Lehramtsstudiengänge beginnt Neue Verordung fürs Lehramtsstudium (07.09.2009)Die Umstellung der Magister- und Diplomstudiengänge auf Bachelor und Master hat sich in der Praxis mehr oder weniger als Katastrophe erwiesen - selbst Bundesbildungsministerin Schavan musste dies inzwischen einräumen. Was sich in Baden-Württemberg an den Universitäten im Zusammenhang mit der Umstellung der Lehramtsstudiengänge abzeichnet, lässt eine Fortsetzung derselben erwarten und keineswegs eine sinnvolle, nachhaltige Reform des Lehramtsstudiums. Die Vorgaben des Ministeriums deuten hier und da eine Verschärfung der Probleme an -- u.a. im Bereich des Praxisbezugs und der Schulpraktika, sowie des Hochschulzugangs. Was hier verordnet wird, dürfte sich nicht nur für die künftigen Lehramtsstudierenden als wenig sinnvoll, sondern in nachhaltiger Weise auch für die Schulen als kaum praktikabel erweisen. Lehramtsstudium in Baden-WürttembergAngehende Gymnasiallehrkräfte studieren in Baden-Württemberg im Rahmen von Staatsexamensstudiengängen an den Universitäten. Der Staat erlässt in diesem Fall eine allgemeine Verordnung (die jedoch recht detailliert ist), die an den Hochschulen dann umgesetzt wird, außerdem ist der Staat an den Prüfungen beteiligt. Die Studierenden anderer Lehrämter studieren an den Pädagogischen Hochschulen (PHen) oder den Pädagogischen Fachseminaren, diese dreigeteilte Lehramtsausbildung ist einmalig in der BRD. Ende August hat das Kultusministerium eine neue Verordnung über die Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien (Gymnasiallehrerprüfungsordung I - GymPO I) erlassen. Die Verordnung muss bis zum 1.09.10, d.h. zum WS 10/11 von den Universitäten umgesetzt werden. Hierzu gibt es an der Uni Heidelberg eine uniweite Kommission sowie weitere Kommissionen auf Instituts- bzw. Fakultätsebene. Geplante Veränderungen im LehramtsstudiumDie Verordnung sieht vor, dass nun auch die Staatsexamensstudiengänge modularisiert werden. Lehramtsstudierende müssen künftig in Baden-Württemberg einen Lehrerorientierungstest und ein zweiwöchiges Orientierungspraktikum vor Studienbeginn absolvieren; das Praktikum kann noch bis zum Beginn des 3. Semesters abgelegt werden. Als neuer Studienbestandteil müssen zudem Module Personale Kompetenz absolviert werden, der Fachdidaktikanteil wurde erhöht. Wer das Schulpraxissemester ( SPS ) nicht besteht, kann kein Staatsexamen für das Lehramt mehr ablegen. Der Reformbedarf der Lehramtsausbildung an den Universitäten im Ländle ist unbestreitbar und vielfach beschrieben worden. Umso wichtiger ist es, die Probleme ernsthaft anzugehen und eine stimmige Reform einzuleiten. Durch eine bloßen Übernahme der BA-Modularisierung, die sich in der Praxis derzeit meist als Verschlimmbesserung erweist, geht genau diese Chance verloren. Emanzipatorische Absichten können so nicht umgesetzte werden, wenn es nur drum geht, die von oben verordnete Reform mit möglichst wenig Aufwand umzusetzen. Gut ist allerdings, dass sich Unis und Ministerien darauf einigten, keine BA-MA-Studiengänge mit einer Selektion nach dem BA einzuführen, sondern einen modularisierten 10-semestrigen Studiengang, der auch Raum für Reformimpulse hätte. Auch die geplante Erhöhung des Fachdidaktikanteils und die Einführung von Anteilen zur Ausbildung der "Lehrerpersönlichkeit" könnten eine Weiterentwicklung des Studiums ermöglichen. Allerdings lässt bereits der Entwurf befürchten, dass dies nicht wirklich angedacht ist; was anhand zweier Aspekte im Folgenden aufgezeigt wird. Kritikpunkt 1: Praxisanteile werden nicht sinnvoll ins Studium eingebundenKünftig ist ein selbst organisiertes Orientierungspraktikum in der Schule Voraussetzung für die Zulassung zum gymnasialen Lehramtsstudium. Ein Problem liegt darin, dass direkt nach der Schule der Perspektivwechsel vom Belehrten zum Lehrenden ohne Unterstützung selten vollzogen wird und das Praktikum somit herzlich wenig für das weitere Studium bringt. Hinzu kommt ein Orientierungstest. Derartige Tests dienen bereits jetzt letztlich dazu, Interessierten willkürlich einen Studienplatz zu verwehren und sind daher grundsätzlich abzulehnen. Das SPS muss in Zukunft bestanden werden. Die Entscheidung, ob man weiter auf Lehramt studieren darf oder nicht, fällt der/die SchulleiterIn, der/die in die Organisation des Studiums zu keiner Zeit eingebunden war und evtl. die Person, über die er hier urteilt, nie im Unterricht gesehen hat und nur aufgrund von Berichten betreuender Lehrkräft urteilt. Im zweijährigen Referendariat stellte die erste Zeit an der Schule einen Orientierungsraum dar, nun wird der erste ernsthafte Schulkontakt damit belastet, dass am Ende eine Entscheidung über alles oder nichts steht. Solange die jetzige Praxis die Betreuung der PraktikantInnen und die angelegten Kriterien extrem schwanken und in diesem Bereich keine Änderungen angedacht sind, ist dies völlig inakzeptabel. Anstatt durch das SPS einen Austausch zwischen Schule und Universität, zwischen Theorie und Praxis zu ermöglichen, wird es nun zum Selektionsmittel. Über eine Finanzierung des SPS - einige Studierende müssen sich für die Zeit ein zweites Zimmer und die Fahrtkosten selbst finanzieren - wird übrigens auch nicht nachgedacht. Ob sich in Zukunft nur noch reichere Studierende ein Lehramtsstudium leisten können, wird sich zeigen... Kritikpunkt 2: Ansätze zur inhaltlichen Neugestaltung werden bereits im Vorfeld verspieltDarüber was Modularisierung sein soll, hat man sich beim Formulieren offenbar keine großen Gedanken gemacht: es ist, z.B. bei Fachdidaktik, von "Modulen" im Umfang von 12 ECTS die Rede. 12 ECTS ergeben aber umgerechnet auf Lehrveranstaltungen ungefähr 2 - 3 Veranstaltungen. Hier könnte man ein einziges sinnvolles Modul aus aufeinander abgestimmten Veranstaltungen vorsehen. Stattdessen könnten nun aber auch zwei, drei oder vier "Module" eingeführt werden. Diese hätten dann den Umfang je einer Veranstaltung und müssten nicht aufeinander abgestimmt sein. Da jedes Modul mit einer Prüfung schließen muss, wird ohne Not die Zahl der Prüfungen erhöht: Prüfungsinflation statt Studienreform. In welcher Form die Fachdidaktik angeboten werden soll, bleibt unklar. Stellen dafür gibt es weiterhin nicht, das Land stellt nur mehr Abordnungen von Lehrkräften zur Verfügung. (D.h. Lehrkräfte unterrichten statt in der Schule an der Uni Fachdidaktik). Bereits bisher wurde Fachdidaktik fast ausschließlich so angeboten. Forschung oder nur aufeinander abgestimmte Veranstaltungen sind so nicht machbar. Immerhin müssen die Veranstaltungen dann nicht mehr wie bisher oft über Studiengebühren finanziert werden... AusblickInsgesamt ist es bedauerlich, dass keine Evaluation der letzten Umstellung von 2001 durchgeführt wird. Anstatt über ein besseres Studium nachzudenken, wird nun die oft unbefriedigende bisherige Praxis fortgeschrieben. Auch die Verzahnung der Praxisphasen mit dem Studium bleibt eine hohle Phrase. Zudem werden bei den geplanten Reformen bereits bestehende Tendenzen der Beschränkung des Hochschulzugangs verschärft. Es ist zu befürchten, dass nur in einigen Fächern die Chance genutzt wird, die Studiengänge neu zu gestalten und ansonsten nur eine Umetikettierung vollzogen wird, die dann am Ende nicht nur die genannten negativen Folgen befördert, sondern auch bestehende Tendenzen der sozialen Ausgrenzung und Vermarktung von Wissen fortführt -- und eine Reform des Lehramtsstudiums aus den Augen verliert. Um eine sinnvolle Studienreform vorzunehmen, reicht es nicht, allein auf einzelne Bereiche zu blicken. Die Entwicklungen müssen im Gesamtzusammenhang bedacht und vor diesem Hintergrund bewertet werden. Eine fitte Kommission an der Uni Heidelberg, engagierte und qualifizierte Zuarbeit aus den Fächern und ein Rektorat, das sich für das Lehramtsstudium stark macht, sind hierfür unabdingbar. Bisher wurden uniweit nur technische Details und formale Rahmenvorgaben diskutiert, es bleibt abzuwarten, welche Fächer hierüber hinausgehend, modularisierte Prüfungsordnungen vorlegen. Es muss kaum erwähnt werden, dass die Beteiligung der Studierenden auch nicht so gut läuft. In einigen Fächern ist studentisches Engagement ohnehin wertgeschätzt und vorgesehen, in anderen muss es unabhängig organisiert werden. Wer Interesse hat sich an der Arbeit zu beteiligen, kann sich beim AK Lehramt der FSK oder den Fachschaften melden und sich über die Umsetzung vor Ort informieren. |
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